Foto: Tristan Vostry

14.10.11 Das Haus, Rostock

Ich erwachte nach einer kurzen Nacht neben dem Standaschenbecher im Obergeschoß des Hauses und eilte zum Zug zurück nach Weimar. Auf Hin-und Rückfahrt hörte ich mich durch die halbe Beck-Diskografie. Das Haus war spärlich besucht. Einige mochten es. Einige nahmens mit Fassung. Die Belegschaft war wieder ausserordentlich großartig und als besondere Überraschung kam ein Filmteam vom Offenen Kanal Rostock. Später wird es hier davon noch etwas zu sehen geben. Danke Thomas. Ich hoffe du hast den Salat gefunden.

08.10.11 Brohmers, Halle

Klassentreffen. Aber nur im hinteren Teil des Café Brohmers. Um dem Speisevorgang im Raum bühnenmäßig beizukommen, benutzte ich Messer und Gabel für das Introloop von "Keine Übung". Tags zuvor spielten hier Pro Art und ich betrat geweihten Boden, der noch mit Holzspänen übersät war von einem scheinbar sehr in Mitleidenschaft gezogenen Instrument der Band. Das Konzert gelang prächtig und beinhaltete auch einige ältere Stücke, u.a. eine leistungssportliche Version von "Zwischenzeit" Wie am Tag zuvor flogen mir gegen Ende des Konzerts die Saiten um die Ohren. Dies erforderte nestelndes Gewechsel, stieß aber auf blankes Verständnis seitens der Zuhörer und bildete eine passende Ouvertüre zur trashverdächtigen Zugabe "Wovon ich nicht sterbe". Danke an Paul, Anna und Jonas für alles Mögliche. Ihr seid Halle.

07.10.11 Horns Erben, Leipzig

Pernod mit Jo. Arndtstrasse runter und dann gleich hinter dem Bauzaun rechts durch die blaue Abdeckplane. Äußeres und Inneres des Horns Erben stehen derzeit in starkem Kontrast zueinander. Die Fassade wird restauriert und wir sind mit unserem Konzert Teil des Finanzierungsprojekts geworden. Ich hoffe sie benennen eine Mauerfuge nach uns. Innen, wie immer, schummriges Licht und gemütliche Sitzgarnitur. Ein Vertreter des südvorstädtischen Laufpublikums erkundigte sich mit "Wer ist denn der Typ?" und "Was macht der so?" beim Barpersonal nach Details. Der Soundcheck war kurz und das Ergebnis auf und vor der Bühne appetitanregend. Das Konzert wurde eröffnet von dem großartigen Joe B Hard, der sich mit "Ultimate Luck" und seinem unwiderstehlichen Bassbariton für immer in mein geistiges Ohr gebrannt hat und hier endlich wieder eins seiner selten zu beobachtenden Kleinkonzerte gab. Bis auf "Zwischenzeit" gab es meinerseits nur neues Material zu hören. Die Stücke stecken noch in den Kinderschuhen aber sie können mittlerweile sprechen. Die Zugabe "Wovon ich nicht sterbe" ist sogar nur Fragment, aber trotzdem überraschend bühnentauglich. Der Abend war intensiv und die äußerst anwesenden Zuhörer sehr unterstützend. Der Herbst ist da! Wer freut sich mit? Sogenanntes schlechtes Wetter ist gut für die Bilanz. Danke Matti und Mara für die Kolkraben und die Wisents.

06.10.11 Havanna Acht, Marburg

Wenn es überall so wäre wie im Havanna Acht, wäre es nirgends anders als dort. Der Tonmann steckte vorerst in einem Fahrstuhl fest, entkam jedoch noch rechtzeitig und setzte seinen ohnehin langen Arbeitstag erfolgreich am Mischpult fort. Die Belegschaft war wie immer beispiellos herzhaft, selbstaufopfernd und zahlreich. Einen Teil des Publikums, so schien es, traf das Konzert etwas unvorbereitet. Immer gut vorbereiten, zweiunddreißigmal kauen und sacken lassen. Dennoch ging es dankbar und offenohrig durchs Programm mit einigen Premieren. So erblickte das Stück "Katastrophenmeldung vom Luxusdampfer der Unannehmlichkeiten" hier das Bühnenlicht der Welt. Danke Heidi für das Geschehenmachen und Wiebke für die posttheatralische Kopfsteinpflasterbegegnung. Auf baldiges Wiedersehen hoffend verbleibt Jan Frisch

05.10.11 Lichtung, Köln

Check-In um 18:30 nach verspätetem Anschlusszug in Mainz. Eine ältere Dame schenkte mir kurz vor der Abreise einen Ziehwagen, auf dem nun mein Verstärker mit Spanngurten befestigt ist. Mittelmäßig komfortabel im Öffentlichen Nahverkehr aber doch sehr zweckmäßig für die Individualreise. Ich durfte im Café spielen als Aufwärmshow für das anschliessende Kellerkonzert im dunklen Teil der Lichtung. Das Hotellobby-Ambiente wurde etwas gedämpft durch zwei kleine LED-Strahler und wiederrum verstärkt durch die Sitzgruppen, auf dem das geneigte und übersichtliche Publikum Platz nahm. Leider gab es keine Monitore und ein Bühnensound war quasi nicht vorhanden. Dafür gabs ein Klavier, welches für "Mit deinen Projekten" herhielt. Und da waren wir wieder: im Hotel. In einen Hut verirrte sich schüchtern etwas Abreisegeld und Jonathan Kluth spielte im Keller zum Tanz. Ein besonderer Dank geht an Tele und Oliver Nelson für das Jazzfrühstück am Folgetag.

01.10.11 Klanggerüst, Erfurt


Zum Tourstart ein später und schöner Abend im Erfurter Klanggerüst. Neue, alte und mittelalte Freunde haben sich mit ein paar Leuten, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe, zu einem außerordentlich aufmerksamen Publikum formiert. Entgegen der Ankündigung gab es keinen Support und das Konzert verschob sich um eine Stunde. Es wurde mit Geduld aufgenommen. Die Geduld ebbte auch während des Konzerts nicht ab. Viele der Stücke waren zum ersten Mal auf der Bühne und haben die Feuertaufe glücklicherweise mehr als nur überlebt. Danke an Norman für die Veranstaltung und technische Unterstützung, an Christoph für anregende Couchgespräche, an Annemarie für den Tipp mit dem Backpapier, an Alin für die geliehene Gitarre, ohne die das Konzert eine Lesung geworden wäre, und an Pearl Jam für den An- und Abreisesoundtrack.




Foto: Sven